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coffee-beans-kaffebohnen-mühlberg-photography-searchfit.chGesunde Kaffee Bohne
Kaffee schützt vielleicht vor Diabetes, Alzheimer und Parkinson
An guten Ratschlägen für einen gesunden Lebenswandel war noch nie Mangel: mehr Obst und Gemüse, weniger Zigaretten und mehr Bewegung! Immerhin hat die Wissenschaft aber zutage gefördert, dass Rotwein Herzkrankheiten vorbeugen soll und Schokolade glücklicher macht. Die erstaunlichste Karriere aber ist inzwischen der Kaffeebohne geglückt.

An guten Ratschlägen für einen gesunden Lebenswandel war noch nie Mangel: mehr Obst und Gemüse, weniger Zigaretten und mehr Bewegung! Gebote und Verbote, die alle ihre Berechtigung haben - wirklich Spass machen sie nicht. Immerhin hat die Wissenschaft inzwischen aber auch ein paar erfreulichere Resultate zutage gefördert. Rotwein soll Herzkrankheiten vorbeugen, Schokolade ein bisschen glücklicher machen.

Die erstaunlichste Karriere aber ist der Kaffeebohne geglückt. Von all den negativen Nebenwirkungen, die man dem Getränk nachsagte - Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Krebs -, ist inzwischen fast nichts mehr übrig geblieben. Im Gegenteil: Kaffee scheint viele gesundheitsfördernde Eigenschaften zu haben. Eindeutige Beweise gibt es zwar keine - jetzt eine strenge Starbucks-Diät zu beginnen, wäre also verfrüht. «Doch im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährungsweise kann Kaffee einen gesundheitsfördernden Effekt haben», sagt der Ernährungswissenschafter Paolo Colombani von der ETH Zürich, der gerade ein Buch («Fette Irrtümer») über Ernährungsmythen veröffentlicht hat.

kaffee-coffee-hannes-muehlberg-photography-searchfitDie Anzahl der Studien, die Colombanis Aussage stützen, geht mittlerweile in die Hunderte. An der 50. Jahrestagung der amerikanischen Herzgesellschaft diese Woche in San Francisco haben Wissenschafter weitere Arbeiten publiziert. So ergab eine seit zehn Jahren laufende Studie mit 130 000 Teilnehmern, dass Kaffeetrinker seltener wegen Herzrhythmusstörungen in ein Spital eingeliefert werden müssen. Bei einem Kaffeekonsum von mindestens vier Tassen täglich sank die Zahl der Spitalbehandlungen um 18 Prozent.

 

In einer anderen Studie verfolgten Forscher 20 Jahre lang die Gesundheit von 3000 jungen Erwachsenen. Kaffee hatte dabei keinen Einfluss auf das Entstehen von Ablagerungen in den Adern (Arteriosklerose). Dies ist bedeutsam, weil Kaffee zu erhöhten Cholesterinwerten führen kann.

 

Dass Kaffee auch das Risiko von Diabetes reduziert, berichteten Wissenschafter der University of California. Die Forscher untersuchten das Risiko von Frauen, nach der Menopause an Diabetes vom Typ 2 («Altersdiabetes») zu erkranken. Ergebnis: Teilnehmerinnen, die mindestens vier Tassen täglich tranken, hatten ein um 56 Prozent niedrigeres Risiko. Noch deutlicher waren schon vor einigen Jahren die Resultate einer finnischen Studie. Frauen, die täglich zehn Tassen Kaffee tranken, senkten ihr Diabetes-Risiko um 79 Prozent, Männer immerhin um 55 Prozent. Über Schlafstörungen sagt die Studie allerdings nichts.

Die Liste der positiven Wirkungen liesse sich fast unbegrenzt fortsetzen. Kaffee soll Parkinson und Alzheimer vorbeugen, Depressionen vermeiden, die geistige Leistungsfähigkeit steigern und sogar vor Leberkrebs schützen.

Für die Lebensmittelindustrie kommen solche Resultate wie gerufen. Nestlé hat erst vor kurzem den löslichen Kaffee Nescafé Greenblend lanciert, der zum Teil aus ungeröstetem Kaffee hergestellt wird. «Mit der Extraportion natürlicher Antioxidantien», verspricht der Hersteller. Antioxidantien sollen gegen viele chronische Krankheiten schützen - eine weitverbreitete, aber bisher unbewiesene Hoffnung. Bei einer Ende letzten Jahres veröffentlichten Studie haben Forscher von Nestlé festgestellt, dass Antioxidantien des Kaffees länger im Blut nachweisbar sind als bisher angenommen. «Wir konnten zeigen, dass diese Substanzen auch 12 bis 24 Stunden nach dem Trinken noch im Blut vorhanden sind», sagt Mathieu Renouf, der Leiter der Studie.

Ob die Antioxidantien alleine aber wirklich gesundheitsfördernd sind, ist fraglich. Denn Kaffee ist ein komplexes Getränk aus Tausenden Bestandteilen, deren physiologische Wirkung möglicherweise erst im Zusammenspiel entsteht. «Koffein zum Beispiel wirkt vollkommen unterschiedlich, wenn man es in reiner Form einnimmt oder mit einer Tasse Kaffee», sagt Paolo Colombani von der ETH Zürich. Die sportliche Leistungsfähigkeit steigere es nur, wenn man es pur einnehme.

Ein einzelner Inhaltsstoff oder ein einzelnes Lebensmittel sei daher auch nie per se gesundheitsfördernd. «Es gilt immer der Grundsatz, dass die Ernährung abwechslungsreich sein sollte», sagt Colombani. «Ist diese Bedingung erfüllt, dann gilt für den Kaffee tatsächlich, dass er fast keine negativen, aber einige positive Wirkungen auf die Gesundheit hat.»

 

(Quelle NZZ am Sonntag)



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