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DopingMehr als Vitamine: Doping im Freizeitsport
Der eine ringt im Fitnesscenter um den Waschbrettbauch, der andere sucht im Marathonlauf den Kick oder auf der Rennradtour im Kreis sportlicher Mitstreiter. Ohne hartes, konsequentes Training geht da nichts.

 

  

 

DopingOder vielleicht doch? Nicht allen Freizeitsportlern, die ihr Hobby mit Ehrgeiz betreiben, reichen gesunde Ernährung, Vitamin- und Eiweisspräparate aus, um ihre Fitness zu steigern. Experten wie der Tübinger Sportmediziner Heiko Striegel schätzen aufgrund von Befragungen, dass etwa zehn Prozent der rund fünf Millionen Freizeitsportler in Fitnessstudios schon mal gedopt haben. Laut Recherchen von searchfit.ch dürften die Zahlen in der Schweiz in einem ähnlich hohen Rahmen liegen. Die Sportstudios halten die Zahlen für unseriös. Aber auch das Bundesgesundheitsministerium ist inzwischen aufgeschreckt und hat das Thema auf die Präventionsagenda gesetzt.

 

 

 

 

Jörg BoerjessonEiner, der seit Jahren in Sachen Doping bei Freizeitsportlern um Aufmerksamkeit kämpft, ist Jörg Börjesson, Ex-Body-Builder und bekennender Ex-Doper. "Heute bin ich körperlich ein Wrack", sagt Börjesson, der eine Anti-Doping-Initiative gegründet hat und bundesweit in Schulen, Jugendclubs und Sportvereinen Vorträge hält.
Auch der Jurist und Sportmediziner Striegel, der neben einer kleineren Studie aus Lübeck das bislang einzige deutsche Zahlenmaterial gesammelt hat und nun dringend mehr Kontrollen und konsequentere Strafverfolgung anmahnt, ist überzeugt: Doping im Freizeitsport ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und nicht nur das Problem einzelner "Muckibuden". "Das ist kein Randphänomen.  

 

Die Doper sind oft gut integriert, achten auf ihr Äusseres, haben einen anerkannten Beruf ­ denn die Pillen kosten ja schliesslich viel Geld", sagt er. Seinen Untersuchungen 2002 und 2007 zufolge ist das Aussehen der Hauptgrund für den Missbrauch: "Das ist für viele, die auf Partys oder in Hochglanzmagazinen durchtrainierte Körper sehen, so eine Art Lifestyle-Droge."

 

DopingVia Internet, auf dem Schwarzmarkt, sind die Produkte leichter denn je zu beziehen. Geschluckt werde häufig ein bunter Mix verschiedener Substanzen, deren Menge das systematische Doping im DDR-Spitzensport um ein Vielfaches übertreffe ­ inklusive möglicher Folgen wie Leberkrebs, deformiertes Sperma, Wachstumsstopp bei Jugendlichen, erklärt Striegel.
Für fatal ­ und zu wenig erforscht ­ halten Striegel wie Börjesson aber auch die Folgen für die Psyche. "Das Zeug macht sehr aggressiv ­ das fängt im Strassenverkehr an und reicht bis zum handgreiflichen Umgang mit der Freundin", sagt Striegel.
 
 
Auch Börjesson berichtet von Betroffenen, die sich unter der Wirkung des Testosterons kaum wiedererkennen. "Seit Jahren wollen wir eine Studie darüber machen, wie viele Autounfälle auf diese Mittel zurückzuführen sind", berichtet Striegel resigniert. "Aber wir finden keine Geldgeber. Ebenso wenig wie für Präventionsmassnahmen." Allerdings hat das Bundesgesundheitsministerium jetzt eine umfangreiche Studie angekündigt, die 2009 bundesweit repräsentative Zahlen bringen soll.
Erst dann werden sich wohl auch die Sportstudios des Themas annehmen. Von Verbandsseite aus hält man die jetzige Datenlage für zu dünn, um eigene Aufklärungsaktionen zu starten. Man setze auf das Satzungsverankerte Doping-Verbot und die Kompetenz der Trainer, die vereinzelte schwarze Schafe herauspicken sollen, heisst es beim Deutschen Sportstudio-Verband.
«Die Schweiz ist übrigens das einzige Land, in dem die öffentliche Hand weniger Geld für eine glaubwürdige Antidoping-Politik spricht als der öffentlichrechtliche Sport», sagt der CEO von Swiss Olympic, Marc-André Giger, der deutlich von einer «grossen Enttäuschung» spricht.  Mehr Infos über doping in der Schweiz: http://www.dopinginfo.ch
Studie: Jeder zehnte Fitness-Sportler dopt
Etwa 10 000 Spitzensportlern stehen in Deutschland rund fünf Millionen Freizeitsportler in Fitnessstudios gegenüber.
DopingIn der Fragebögen-basierten Studie des Sportmediziners Heiko Striegel gaben im Jahr 2002 etwa 13 Prozent der 621 Teilnehmer in 113 Fitnessstudios an, bereits mindestens einmal zu illegalen Dopingmitteln gegriffen zu haben: Bei den Männern waren es fast 20 Prozent, unter den Frauen knapp vier Prozent. In einer Nachfolgeuntersuchung 2007 ging der Anteil der Doper insgesamt auf rund zehn Prozent zurück.
Beide Male waren kleinere Studios mit weniger als 300 Mitgliedern öfter betroffen als grössere, Einrichtungen mit vorwiegend Männerklientel häufiger als solche, die vor allem von Frauen besucht werden.

 



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